Bericht - Obelisk Führung am 10. September 2016

Ein paar Schritte deutsch-französischer Rheingeschichte

Dieser Einladung des Förderkreises für Heimat- und Brauchtumspflege Leimersheim folgten 32 Interessierte aus Leimersheim und der weiteren Umgebung.

Kurz nach dem Start an der Fähre wird klar, dass die deutsch-französische Rheingeschichte im Jahr 843 in Verdun beginnt, wo die Enkel Karls des Großen das große Frankenreich durch drei teilen in ein westliches, ein östliches und ein mittleres Reich. Doch schon bald beginnt das „Mittelreich“ von Kaiser Lothar I. zu bröckeln und der östliche Teil schiebt sich nach Westen vor an den Rhein und darüber hinaus – Beginn einer Konfliktgeschichte, die sich bald in die eine, bald in die andere Richtung bewegt, wie Fritz-Gerhard Kuhn anhand vielfältiger Geschichtsdokumente erläutert. Pfälzer kennen den Ruf Melacs „Brûlez le Palatinat“(Verbrennt die Pfalz), in dessen Folge nicht nur Städte wie 1689 Speyer, Mannheim und Heidelberg, sondern auch z.B. Heilbronn und Stuttgart von den Truppen Ludwigs XIV erobert und verwüstet wurden. Durch die „Schmuggleraffäre von Leimersheim“ wissen wir auch, dass Frankreich unter Napoleon bis an den Rhein ging, unter anderem mit dem Departement Donnersberg am nordöstlichen Rand. Diesem von Frankreich reklamierten „Recht auf die natürliche Grenze Rhein“ wurde von deutscher Seite in Liedern und Hymnen der Rhein als „deutscher Fluss, der keine Grenze sein kann“ entgegengesetzt.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen 1870/71, 1914/18 und 1939-45 sprechen für sich.

Besonders um das letzte Datum, den April 1945 dreht sich der Hauptanlass dieser Führung am Rhein. Der Obelisk, aufgestellt als Erinnerung an die Rheinüberquerung durch die französische Armee am 2. April 1945 erzählt die Geschichte dieser Soldaten und des wichtigen französischen Kampfzieles, an der Eroberung Deutschlands beteiligt zu sein.

Er erzählt auch die Geschichte des Dorfes Leimersheim, das mit seiner Fähre im März 1945 hunderten, wenn nicht tausenden von Wehrmachtssoldaten das Leben rettete, die in Strömen auf dem Rückzug durch die Straßen zogen und dem rechtsrheinischen rettenden Ufer entgegenstrebten.

Auf Befehl von General de Gaulle hatte General de Lattre de Tassigny angeordnet, dass am 31. März mit der Überschreitung des Rheins in Speyer begonnen wird. An den darauffolgenden Tagen dasselbe in Mechtersheim und in Leimersheim. Hunderte von Kolonialsoldaten fanden hierbei den Tod.

Die Inschrift am Leimersheimer Obelisk: „Hier fand am 2. April 1945 durch das 21. Koloniale Infanteriebataillon der 9. Kolonialen Infanteriedivision die Rheinüberquerung statt“ erinnert an dieses Ereignis.