Geschichte

Chronik

I. Idee und Vorgeschichte

Es war ein langgehegter Wunsch, zur 1200-Jahr-Feier 1978 eine heimatliche Ausstellung vorzunehmen. Nicht Prahlerei, sondern dem Sammeleifer einiger Leimersheimer Bürger verdankte die Gemeinde ihr Entstehen. Im Jahre 1977 begann eine kleine Gruppe Leimersheimer Bürger zur 1200-Jahr-Feier ein Heimatmuseum zu errichten. "Ausschuss Heimatmuseum" nannte sie sich, wie noch mehrere "Ausschüsse", z.B. Festspiel, Dokumentation, Festzelt, Straßenschänken usw., von der Gemeindevertretung berufen und beauftragt waren, entsprechend auf sie zukommende Aufgaben nach vorhandenen Möglichkeiten auszuführen. Für den "Ausschuss Heimatmuseum" war es kein leichtes Spiel, seine Aufgabe zu erfüllen. Das Gemeindehaus stand mit drei leeren Räumen zur Verfügung. Als vierter Raum konnte noch das Büro des Ortsbürgermeisters ausgeräumt werden, so dass zur Ausstellung vier Räume eingerichtet werden konnten. Durch Handzettel, Rundschreiben und Appelle in der presse wurde die Bevölkerung aufgerufen, noch vorhandene Gegenstände aus Handwerk, Landwirtschaft oder sonstigen früher ausgeübten Berufssparten dem "Ausschuss Heimatmuseum" zur Verfügung zu stellen. In ungezählten Stunden taten sich die Mitglieder des Ausschusses zusammen um die Gegenstände zu restaurieren, damit sie im ursprünglichen Zustand gezeigt werden konnten. Überraschend groß war die Spendefreudigkeit der Bevölkerung. Wir konnten je einen Raum für Werkzeuge, Küche,, "Gute Stube" und Raum für gedeckte Tafel aus der Zeit um 1870, prähistorische Funde aus den Leimersheimer Gemarkungen und sakrale Gegenstände wie Messgewänder, Messbücher, Gesang- und Gebetbücher aus vergangener Zeit, einrichten. Die Arbeit hat sich gelohnt. Während der zehn Tage der 1200-Jahr-Feier besuchten mehr als 8000 Besucher das Heimatmuseum (belegt durch Eintragung im Gästebuch). Viele kamen zwei-, drei- und viermal, um die Ausstellung zu besichtigen. Nach den Festtagen der 1200-Jahr-Feier war zunächst mal Ruhe bezüglich "Heimatmuseum" eingekehrt. Die Frage stellte sich, wie es weitergehen solle. Der Raum des Bürgermeisters musste freigemacht werden, und man überlegte, wohin man ausweichen könne. Ein Haus mit Nebengebäuden wäre das richtige.

II. Das Fischerhaus

Im Sommer 1978 wurde ein altes Fachwerkhaus zum Verkauf angeboten. Durch einen größeren Spendenbetrag von privater Seite und weitere Zuschüsse von Landkreis und Land war es im Oktober 1979 der Gemeinde möglich, das Anwesen käuflich zu erwerben und dem Förderkreis zur Verfügung zu stellen. Das Haus war in desolatem Zustand, weshalb es zuerst mal restauriert werden musste. Am 1. Januar 1980 war die Schlüsselübergabe. Nun hatten wir wohl ein Haus, aber für die wenigen Mitglieder des "Ausschusses Heimatmuseum" war es nicht möglich, die ganze Arbeit der Restaurierung zu meistern. Also kam man zu dem Entschluss, einen Verein zu gründen. Durch Handzettel und Bekanntgabe in der presse wurde die Bevölkerung zur Gründungsversammlung in ein Gasthaus eingeladen. So wurde am 2. November 1980 mit 33 Mitgliedern der "Förderkreis für heimat- und Brauchtumspflege" gegründet, der am 13. Mai 1981 beim Amtsgericht Landau in das Vereinsregister eingetragen wurde. Die Arbeiten zur Restaurierung des Fischerhauses konnten nun zügig durchgeführt werden. Nach mehr als 5000 freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder und zum Selbstkostenpreis verrichteter Arbeiten einiger Handwerksbetriebe wurde am 3.Juli 1983 das Fischerhaus eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Die Nebengebäude werden in den nächsten Jahren - je nach vorhandenen Mitteln - restauriert und als Ausstellungsräume zur Verfügung stehen.




DAS FISCHERHAUS

wie es am 1.Januar 1980 vom Förderkreis
für Heimat- und Brauchtumspflege
übernommen wurde.

III. Trachtengruppe

Überlegungen, wonach der Name "Förderkreis für Heimat- und Brauchtumspflege" schon verlangt, dass für die Brauchtumspflege etwas getan werden müsse, führten 1982 zu dem Entschluss, als erstes eine Trachtengruppe zu gründen. Wieder durch Handzettel und Werbung in der Heimatpresse konnte man ca. 30 junge Mädchen und Buben gewinnen, die sich bereit erklärten, eine Trachtengruppe aufzustellen. 12 Tanzpaare und fünf Ziehharmonikaspielerinnen und -spieler waren bereit, einer Trachtengruppe beizutreten. Am 15.Oktober 82 wurde die "Trachtengruppe des Förderkreises für Heimat- und Brauchtumspflege e.V." ins Leben gerufen. Nach wöchentlichem Training und intensiver Vorbereitung konnte die Trachtengruppe zur Einweihung des Fischerhauses am 3.Juli 1983 ihren ersten öffentlichen Auftritt verbuchen.

(Rudi Liebel)





DAS FISCHERHAUS

vor der Restaurierung,
von der Rückseite gesehen.

Was ist Heimat- und Brauchtumspflege?

Voraussetzung für eine "Heimat- und Brauchtumspflege" ist eine Heimatkunde. Sie "dient der Information über den eigenen Lebensraum,... entwickelt ein kulturelles und ökologisches Umweltbewusstsein" und mag durch "die Identifizierung mit Land und Leuten" zu einem allgemein größeren Engagement für die Gemeinde, die Dorgemeinschaft und den weiteren Lebensraum beitragen (s. Geiger, Preuß & Rothenberger, Pfälzische Landeskunde, 1981). der Förderkreis versucht, diese idealistischen Ziele durch allmähliche Planung und Inangriffnahme vielfältiger Aktionen zu realisieren. Die allgemeinen Orts-, Kunst- und Handwerksgeschichte sollen im Heimatmuseum "Fischerhaus" - später auch durch themenzentrierte Ausstellungen - und im Schrifttum dokumentiert werden. Die Volkstänze der Trachtengruppe und das Wiederauflebenlassen alten Brauchtum dienen der Pflege kulturellen Erbes. Geplante Wettbewerbe (Foto, Zeichnungen, Gedichte u.ä.) und gegebenenfalls Lehrgänge durch Dorf, Feld und Wald sollen eine Möglichkeit bieten, sich mehr mit dem engeren Heimatraum zu beschäftigen und seinen wert kennenzulernen. Manches mehr wäre möglich und wünschenswert, angestrebt zu werden. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit es realisierbar ist, wozu Unterstützung durch weite Kreise der Bewohner von Leimersheim notwendig wäre.

(Helmut Sittinger)

Mundart in Leimersheim

Unsere Mundart hat ihre Wurzeln im Fränkisch-Allemanischen und ist während mehr als einem Jahrtausend organisch gewachsen. Wie alle lebendigen Sprachen so ist auch unsere vorderpfälzische Mundart ständig im Wandel begriffen. Sie nahm schon immer Elemente anderer Sprachen und Mundarten auf, und sie wird auch weiterhin vornehmlich hochsprachliches (heutzutage auch englisches) Wortgut aufnehmen. Damit vom Aussterben bedrohte, altvertraute Wörter nicht verloren gehen und somit unser reicher Mundartwortschatz länger erhalten bleibt, soll auch die Pflege unseres Dorfdialektes eines unserer Zeile sein.


Hier eine kleine Auswahl des "Lämerscher Dialekts"

1. aus dem Französischen

Barable = Schirm; Buddel = Flasche; dusswit = gleich, sofort; Schah (Jean) = Hans; Kascho = Gefängnis; Komod = Kleiderschrank; beschd komod = bist du zum Ausgehen fertig angezogen; kumediere = befehlen; Lui =Ludwig; Kurasch = Mut; Malehr = Unglück; Misere = Not; Plesir = Freude; scheniere = sich nicht trauen; Schossegard = Straßenwärter; tuschur = immer; Wisimatende ("Mach mer kä Wisimatende") = Mach mir keine Schwierigkeiten (stammt aus der Zeit der französischen Besatzung der Pfalz, als die jungen französischen Soldaten die Mädchen mit dem Satz "Visite ma tende" in ihr Zelt einluden)

2. aus dem Jiddischen

Kazuff = Metzger; kouscher = rein; treife = unrein; Zores = Streit; meschugge ("Beschd meschugge?") = blöde

3. aus dem Zigeunerischen

Kaff = entlegenes Dorf